Zwei Frauen lächeln in die Kamera, eine trägt eine Abschlussmütze und legt die Hand auf die Schulter der anderen

Haltung

Ich arbeite nicht mit Menschen, um sie „zu optimieren“. Ich arbeite mit ihnen, weil Beziehung der Ort ist, an dem Entwicklung möglich wird.

Pädagogische Ethik ist für mich keine Theorie, sondern eine Frage der Verantwortung: Wie begegne ich einem Menschen, ohne ihn zu funktionalisieren? Wie gestalte ich Räume, in denen Denken frei werden kann?

Mein Verständnis von Erziehungswissenschaft bildet die Grundlage meiner Arbeit: Erziehungswissenschaft untersucht, wie Menschen in sozialen Verhältnissen zu sich selbst, zu anderen und zur Welt in Beziehung treten – und wie diese Beziehungen Lernen, Bildung und Entwicklung ermöglichen oder begrenzen.

Mich interessiert nicht, wie man Verhalten steuert. Mich interessiert, wie Menschen sich zu sich selbst, zu anderen und zur Welt in Beziehung setzen.

Ich frage vollständig.

Ich will verstehen – warum du tust, was du tust. Und was du brauchst.

Verantwortete Praxis bedeutet für mich: Handeln können – und zugleich wissen, warum ich es tue. Macht reflektieren. Grenzen erkennen. Und den Mut haben, nicht jedes Problem technisch lösen zu wollen.

Biografische Entwicklungslinie

Mein Weg begann in der Praxis. Nicht im Seminarraum.

Ich habe früh Verantwortung übernommen und erlebt, wie Systeme funktionieren – und wo sie Menschen übergehen. Ich habe gesehen, wie viel von pädagogischer Qualität nicht an Methoden hängt, sondern an Haltung.

Ich habe in sehr unterschiedlichen Kontexten gearbeitet – körpernah, organisatorisch, pädagogisch. Aus der Praxis wurde eine Frage. Aus der Frage wurde Ausbildung. Aus Ausbildung wurde Reflexion.

Ich habe mich durch verschiedene Professionen bewegt – nicht, weil ich suchend war, sondern weil ich verstehen wollte: Handwerk. Pflege. Pädagogik. Erziehungswissenschaft.

Mich hat immer interessiert: Was geschieht zwischen Menschen, wenn Lernen gelingt? Und was geschieht, wenn es misslingt?

Heute verbinde ich Erfahrung, Theorie und ethische Verantwortung. Nicht als Titel. Sondern als Denkform

Lachende Frau mit Brille und rosa Shirt sitzt entspannt auf einem Balkon bei Tageslicht.

Was mich antreibt

Vier Überzeugungen tragen meine Arbeit:

Macht anerkennen

Pädagog:innen tragen Macht – ob sie es wahrhaben wollen oder nicht. Diese Macht zu leugnen ist kein Zeichen von Bescheidenheit, sondern ein Haltungsfehler. Erst wer seine Macht anerkennt, kann verantwortungsvoll mit ihr umgehen.

Verantwortung übernehmen, ohne das Gegenüber zu negieren

Aus Macht folgt Verantwortung – aber nicht die Erlaubnis, über den anderen zu bestimmen. Der stille Gedanke „Ich weiß besser, was gut für dich ist“ entwertet das Gegenüber. Verantwortung heißt, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den anderen Menschen in seiner Eigenständigkeit zu achten.

Verstehen wollen – vollständig

Jedes Verhalten hat einen Grund. Es ist die Aufgabe von Pädagog:innen, sich auf die Suche zu begeben, diesen Grund zu ergründen. Ich frage vollständig. Ich will verstehen – warum du tust, was du tust. Und was du brauchst.

Liebe als tragfähige Beziehung

Ich benutze bewusst den Begriff Liebe – im Sinne einer tragfähigen, nicht instrumentellen Beziehung. Beziehung ist der Schlüssel: für Lernen, Vertrauen, Selbstwertgefühl, Kontrollüberzeugung.

In jedem Menschen gibt es einen Funken, den es zu entzünden gilt. Ich habe erlebt, wie es Kinder und Jugendliche verändert, wenn sie gelernt haben, dass sie nicht liebenswert sind – und wie sich ihr Zugang zur Welt wandelt, wenn sie bedingungslos angenommen werden.

Diese Beziehung muss tragfähig sein und aushalten können, dass mein Gegenüber eigene Entscheidungen trifft.

Arbeitsverständnis

Ich arbeite nicht als klassische Coachin. Ich gebe keine schnellen Strategien und keine Motivationsrezepte.

Ich denke strukturell. Ich frage nach Rahmenbedingungen. Ich höre auf implizite Muster. Ich arbeite mit Sprache – präzise und klar.

Mein Unterschied zu Coaching liegt hier: Ich betrachte Probleme nicht isoliert im Individuum. Ich frage nach Beziehung, nach Kontext, nach Macht, nach Resonanz.

Beziehung kommt vor Methode. Methoden ohne tragfähige Beziehung können Manipulation werden.

Ich arbeite dialogisch. Konsequent. Manchmal unbequem. Aber immer mit dem Ziel, Menschen in ihre eigene Klarheit zu begleiten – nicht in meine.

Was Institutionen erwartet

Wenn Institutionen mit mir arbeiten, beginnt kein Training und keine Fortbildung – sondern ein Prozess. Ein Prozess, der Leitungen und Teams dabei unterstützt, ihre eigene Praxis zu verstehen, zu klären und weiterzuentwickeln.

Ich arbeite mit Teams daran, Machtstrukturen in der eigenen pädagogischen Praxis sichtbar zu machen – nicht als Anklage, sondern als Voraussetzung für verantwortetes Handeln.

Ich schaffe Resonanzräume, in denen Leitungen und Teams innehalten können: um zu reflektieren, wie sie ihrem Gegenüber begegnen, welche stillen Annahmen ihr Handeln leiten und ob ihre Beziehungen tragfähig genug sind, um Entwicklung zu ermöglichen.

Ich bringe Teams in eine Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet, das Gegenüber wirklich verstehen zu wollen – nicht nur sein Verhalten, sondern auch das, was dahinterliegt. Und was es braucht.

Das Ergebnis ist kein Methodenkoffer. Sondern eine veränderte Haltung – und die Denkräume, in denen diese Haltung wachsen kann.

Wer sich nicht sicher fühlt, denkt nicht frei. Ich gestalte Räume, in denen Sicherheit kein Gegensatz zu Klarheit ist.